Astrid Schneider

Architektur und Stadt im Wandel: von fossil zu regenerativ

Als Architektin, spezialisiert auf Solararchitektur, habe ich die Energiewende von Beginn an mitgestaltet. Der grundlegende Wandel unserer Zivilisation weg vom fossilen Energiezeitalter hin zu 100% Erneuerbaren Energien hat schon längst begonnen.

Schön, an dieser spannenden Zeit teil haben zu dürfen! Der Wandel, der uns jetzt erfasst, wird so gewaltig und umfassend sein, wie die Erfindung der Dampfmaschine, des elektrischen Stroms und des Stahlbetons.

Hat uns als Architekturstudenten die Architektur der Moderne mit ihrer Formensprache fasziniert, der rasende Fortschritt, den unsere Zivilisation und unsere Städte nahmen mit der Einführung von Eisenbahn, S-Bahn, Straßenbahn, Kanalisation und fließender Wasserversorgung, so steht uns jetzt ein erneuter Wandel unserer gesamten gebauten Umwelt an. Wie wird Berlin sich verändern, wenn es zu 100% mit Strom aus erneuerbaren Quellen versorgt wird? Kaum haben wir die Mauer nieder gerissen, kommt dem Brandenburger Umland schon eine ganz neue Rolle zu: als Energielieferant Berlins. Bereits heute kommt 60% des Stroms dort aus erneuerbaren Quellen, im Jahr 2020 können wir in Berlin-Brandenburg schon rund 90% unseres Strombedarfes aus erneuerbaren decken, im Jahr 2030 wird die Speicherung und der Umbau der fossilen Energiestrukturen hin zu einem flexiblen intelligenten Energiesystem bereits so weit sein, dass wir uns rund um die Uhr weitgehend selbst mit erneuerbaren Energien versorgen können. Das digitale und erneuerbare Zeitalter gehen Hand in Hand. Das wird auch für die Architektur und das Stadtbild nicht folgenlos bleiben. Und die spannende Frage: wie lösen wir die auf Steinkohle basierende Fernwärme ab, die heute noch weite Teile der Stadt mit Heizenergie versorgt? Fragen, an deren Beantwortung wir arbeiten, ein Teil davon wird 'Solararchitektur' heissen.